Selbsttäuschung und Selbstbetrug sind brisante Themen. Vielleicht hast du schon eine unmittelbare Reaktion beim Lesen des Titels gehabt wie: „Was wollen die denn jetzt von mir? Ich bin mit mir im reinen, ich bin erwachsen, nur Kinder belügen sich selbst!“

So hart das jetzt klingen mag, aber das wäre dann schon Teil des Problems. Niemand möchte gern über sich sagen, dass er sich selbst belügt. Das passt nicht zu unserem Selbstbild. Das ist ein modernes Tabu. Aber wer die Frage „Wer bin ich?“ aufrichtig und vollständig beantworten will, kommt um dieses Thema nicht herum. Denn auch all die Schattenseiten und Selbsttäuschungen gehören zu mir, sie machen einen Teil dessen aus, was ich bin.

Selbsttäuschung ist auch nicht nur eine Fußnote der eigenen Persönlichkeitsentwicklung, keine bloße Randnotiz meiner eigenen Identität. Vielmehr entscheidet sich an der aufrichtigen Erkenntnis über unsere eigenen Selbsttäuschungen, ob wir einen aufrichtigen, klaren Blick auf unser Selbst haben – oder ob wir uns noch immer geschönte Geschichten erzählen.

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Selbsttäuschung: Was bedeutet es, sich selbst zu belügen?

Selbsttäuschung heißt, unehrlich zu sich selbst zu sein. Wir alle haben ein Selbstbild, das wir als wünschens- und erstrebenswert betrachten. Vielleicht siehst du dich selbst als Atomkraftgegner, als Umweltschützer oder als hilfsbereiter Mensch. Und du bist wahrscheinlich auch sehr überzeugt davon, dass du nicht nur scheinbar zu dieser Gruppe gehörst, sondern dass du diese Einstellung lebst und du sie dir deshalb auch ohne zu zögern auf die Fahne schreiben würdest.

Das ist sicher in vielen Fällen auch richtig so. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen Menschen nicht wirklich Umweltschützer, Atomkraftgegner oder Philanthropen sind. In Wahrheit geht es um etwas ganz anderes. Hinter diesem positiven Selbstbild steht eine Selbsttäuschung. Sie besteht darin, dass man eine Identität entwickelt, die man für besonders erstrebenswert hält. Man glaubt mit der Zeit daran, dass dieses Selbstbild tatsächlich der eigenen Realität entspricht.

Wo beschönige ich mein Selbstbild, damit ich mir selbst besser gefalle? Wo bringe ich mich ins rechte Licht – und überdehne dabei die Wahrheit?

Woran erkennt man eine Selbsttäuschung?

Es gibt ein paar sehr einfache Anzeichen, an denen du einen solchen Selbstbetrug zumindest bei anderen einfach erkennen kannst: Die vorgegebene Einstellung oder Überzeugung passt nicht zu den Handlungen eines Menschen, vor allem in anderen Lebensbereichen.

Jemand sagt, dass er Umweltschützer ist und ihm das Klima wichtig ist, fliegt aber zweimal im Jahr zur Erholung von den Strapazen des Alltags in die Karibik. Jemand sagt, dass er es schrecklich findet, wie Tiere auf Zuchtfarmen und in Schlachthöfen behandelt werden, und dass er so grausame Behandlungen niemals dulden würde – isst aber trotzdem jeden Tag Fleisch. Dir fallen sicher noch mehr Beispiele ein, die du vielleicht schon in deinem Bekanntenkreis oder bei Freunden beobachten konntest. Es gibt unzählige falsche Ökos, die von Klimawandel reden, aber dann selbst drei Monate auf Weltreise gehen. Wer durch Südamerika reist, um „fremde Kulturen kennenzulernen“, der lügt sich in die Tasche, weil er die Klimabilanz seines Langstreckenflugs schön unter den Teppich kehrt. Das andere klingt einfach besser.

Versteh mich bitte nicht falsch: Ich möchte gar nicht den Moralapostel spielen. Ich mache genau denselben Mist. Ich will mit diesen Beispielen nur erläutern, wie man eine Selbsttäuschung oder einen Selbstbetrug erkennen kann.

Wenn es um andere Menschen geht, die sich selbst belügen, ist es sehr einfach, eine Selbsttäuschung zu erkennen – und du hast es wahrscheinlich selbst auch schon erlebt. Aber wie verhält es sich mit dir selbst? Kannst du bei dir selbst genau so gut eine Selbsttäuschung erkennen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass uns so etwas auf Anhieb gelingt, ist leider sehr gering. Das liegt daran, dass eine Selbsttäuschung nur dann wirklich gut funktionieren kann, wenn die Täuschung gleicht mit vertuscht wird. Sonst würden wir bemerken, dass es einen krassen Unterschied gibt zwischen dem, was wir über uns glauben, und dem, was wir tatsächlich tun. Eine solche Diskrepanz kann unser Bewusstsein nicht aushalten. Und es ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Psyche, ein in sich stimmiges Weltbild herzustellen und aufrecht zu erhalten. Eine bewusste Selbsttäuschung wäre damit nicht vereinbar – das würde zu jeder Menge Widersprüche führen.

Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich dann etwas anders machen? Wenn ja, was sagt das über meine Prioritäten aus?

Spurensuche – So kommt man dem eigenen Selbstbetrug auf die Schliche

Wir können unseren eigenen Lügen aber durchaus auf die Spur kommen, wenn wir unsere Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen genau beobachten und dabei versuchen zu bemerken, wie wir auf unser eigenes Selbstbild reagieren. Diese Technik nennt man Achtsamkeit. Sie ist für ein ungeschminktes, dafür aber aufrichtiges Selbstbild von großer Bedeutung.

Dabei hilft es, wenn du in etwas provokativer Weise zunächst mal davon ausgehst, dass hinter jeder Überzeugung, jeder Tatsache, die du über dich glaubst, eigentlich eine Lüge und eine Selbsttäuschung steckt. Findest du das übertrieben? Das mag sein. Aber diese Strategie hilft uns, jede Geschichte, die wir uns selbst erzählen, en.einmal kritisch zu prüfen.

Unangenehme Fragen führen zu mehr Aufrichtigkeit:

  1. Für was fühle ich mich schuldig?
  2. Für was schäme ich mich?
  3. Was an mir finde ich nicht gut?
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Täuschungen über mich selbst

Dazu einige Beispiele: Ein häufiger Fall von Selbstbetrug ist, dass wir uns Entschuldigungsgeschichten erzählen oder falsche Erklärungen für unangenehme Tatsachen haben, die uns von aller Schuld freisprechen, obwohl wir eigentlich wissen, dass diese Erklärungen teilweise unzutreffend sind.

Stell dir vor, du willst unbedingt Pilot werden. Du schlägst die Laufbahn ein, gehst durch die ersten Ausbildungen und machst auch erste Flugstunden. Dabei bekommst du schon bald die Rückmeldung, dass deine Leistungen im Beherrschen eines Flugzeugs nicht wirklich herausragend sind und es fraglich sei, ob es für eine Pilotenkarriere reicht. In der Abschlussprüfung rasselst du dann mit Pauken und Trompeten durch.

Der Grund dafür? Relativ einfach: Du hast schon bei Beginn der Ausbildung gemerkt, dass der eine Ausbilder es auf dich abgesehen hat. Er hat immer so spitze Bemerkungen gemacht und du hattest das Gefühl, dass er schlecht über dich redet. So schlecht kannst du gar nicht gewesen sein, immerhin haben dir schon viele Leute gesagt, dass du der geborene Pilot bist. Nein, es ist sonnenklar: Du bist durchgefallen, weil dieser eine Prüfer dich auf dem Kieker hatte. Im Testflug hat er dich verunsichert, sodass deine Leistungen schlechter waren, als sie unter anderen Umständen gewesen wären. Das hat er mit Absicht gemacht!

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In einem solchen Fall ist es möglich, dass wir uns erfolgreich über uns selbst getäuscht haben. Wir glauben, herausragende Leistungen als Pilot zeigen zu können, aber nicht unter diesen Umständen. Wenn wir aber genau auf unsere Gedanken und Gefühle in dieser Situation achten, werden wir merken, dass es eine vorgeschobene Erklärung für unser Versagen gibt, die aber nicht der Wahrheit entspricht. Wenn wir es nüchtern betrachten, wissen wir, dass wir nicht gut im Fliegen waren. Aber die Selbsttäuschung hat funktioniert und wir haben mit der Zeit angefangen, die alternative Erklärung zu glauben.

Täuschungen gegenüber der Welt und den anderen

Eine Selbsttäuschung muss aber nicht notwendig gegenüber mir selbst stattfinden. Ich kann in meinen Selbstbetrug auch andere Menschen mit einbeziehen, indem ich in bestimmten Situationen nicht die ganze Wahrheit über mich sage, Details über mich zurückhalte oder meine wahren Motive vor anderen Personen verheimliche.

Ein weiterer klassischer Fall dieser Form der Selbsttäuschung ist die Notlüge. Sie kommt meistens dann zum Einsatz, wenn ich ein bestimmtes Detail über meine Person nicht offenbaren will, vielleicht weil ich mich dafür schäme oder weil ich massiv unter Druck gesetzt und zu einer Antwort gezwungen wurde. Auch falsche Rücksichtnahme fällt in diese Kategorie: Vielleicht erinnerst du dich an Fälle, in denen du Menschen nicht die Wahrheit gesagt hast, aus Angst, ihre Gefühle zu verletzen? Auch das können Fälle von Selbsttäuschung sein.

Täuschungen über die Welt und die Anderen

Nicht zuletzt kann ich nicht nur die Welt und die anderen über mich selbst täuschen, sondern ich kann mich auch selbst über die Welt und die anderen täuschen. Ich kann glauben, dass mir ein Verwandter sehr am Herzen liegt, weil es gesellschaftlich erwartet wird. Aber wenn ich ehrlich bin: Wenn ich mit dieser Großtante nicht verwandt wäre – freiwillig anfreunden würde ich mich nicht mit ihr…

Hier kann man gut erkennen, warum Achtsamkeit für das Auflösen von Selbsttäuschungen so wichtig ist: Was fühle ich wirklich, wenn diese Großtante z.B. stirbt? Trauer? Oder ein schlechtes Gewissen, weil es mir gleichgültig ist? Solche Gefühle zuzulassen und sich selbst gegenüber aufrichtig zu sein, darin liegt die Kunst der Achtsamkeit.

Auch mein Umgang mit Kritik und Konflikten kann darauf hinweisen, wo ich mich vielleicht selbst belüge: Oft haben wir vorschnelle und oberflächliche Erklärungen dafür, warum eine Kritik, die jemand an uns äußert, nicht berechtigt ist. Nur selten sind wir bereit, eine Kritik an uns sachlich zu prüfen, denn Kritik an der eigenen Person empfinden die allermeisten Menschen als unangenehm und reagieren entsprechend heftig darauf. In solchen Fällen ist eine einfache Erklärung, warum mein Gegenüber mit der Kritik komplett falsch liegt, ein willkommenes Mittel, um sich von einem möglicherweise sachlich berechtigten Teil der Kritik abzulenken. „Das sagt sie doch nur, weil sie eifersüchtig auf mich ist“ – und schon muss ich mich mit der Kritik nicht mehr auseinandersetzen.

Oft hilft in solchen Fällen nur Abstand, Ruhe und eben Achtsamkeit, um zum Kern der Sache vorzudringen und sich ohne Überreaktion zu fragen, welche Kritik an mir berechtigt ist und welche nicht. Im Eifer des Gefechts, wenn wir aufgewühlt und verärgert sind, können gerade die Punkte, bei denen wir eine echte Schwäche haben, wie ein rotes Tuch wirken, auf das wir dann entsprechend heftig reagieren. Die einzig realistische Option ist es, sich wieder abzuregen und in einer ruhigen Minute still und heimlich zu fragen, ob denn ein kleines Fünkchen Wahrheit in der Kritik liegt. Diese Möglichkeit überhaupt erstmal zu eröffnen, und sei es noch hypothetisch und im eigenen Kopf, ist bereits ein erster, großer Schritt.

Mein rotes Tuch: Welche Menschen kann ich nicht ausstehen? Mit welchen Menschen gerate ich immer wieder aneinander? Woran liegt das?

Was bleibt? Kritisch geprüfte Tatsachen – ein Hoffnungsschimmer

Eine kritische Hinterfragung der Geschichten, die wir uns zu unserem eigenen Schutz erzählen, ist der einzige Weg, um eine Selbsttäuschung bzw. einen Selbstbetrug zu durchschauen und für die Zukunft geschickt zu umschiffen.

Und es hilft dabei zu wissen, dass ja gar nicht alles, was wir über uns glauben, falsch sein muss. Wenn man sein Selbstbild intensiv, kritisch und mit der nötigen Distanz geprüft hat, bleiben einige, kritische geprüfte Tatsachen über: Diese Dinge, die wir über uns glauben und die wir mit dem besten Willen nicht widerlegen können, sind dann sehr wahrscheinlich auch tatsächlich wahr. Es sind die wirklich wahren Geschichten, die wir guten Gewissens über uns erzählen können, ohne das dumpfe Gefühl zu haben, dass wir uns selbst und vielleicht andere über uns selbst grad an der Nase herumführen.

So könnte es zum Beispiel sein, dass du wirklich und von ganzem Herzen Umweltschützer bist. Du hast keine Entschuldigung dafür, warum du deinen Umweltschutz nicht leben kannst, sondern hast gefunden, dass du tatsächlich immer alles in deiner Macht stehende tust, um die Umwelt zu schützen. Du fliegst nicht in den Urlaub, sondern gehst lieber wandern, du fährst kein Auto, sondern Rad, du nutzt den öffentlichen Nahverkehr. Es braucht gar keine Entschuldigungsgeschichten, weil Selbstbild und gelebte Realität übereinstimmen.

Was sind deine Selbsttäuschungen?

Wie du siehst, ist es nicht so leicht, seine eigenen Selbsttäuschungen zu erkennen. Aber es ist ein spannendes Feld für mehr Aufrichtigkeit: Nicht nur kannst du dadurch mehr über dich selbst erfahren, du kannst auch das gute Gefühl erlangen, wirklich du selbst zu sein und keine Rolle spielen zu müssen.

Wir möchten dir gerne einen ersten Einblick geben in deine Selbsttäuschungen. Stell dir selbst ernsthaft die Frage aus diesem Blog-Post. In einem ruhigen Moment findest du hier erste Anhaltspunkte über Glaubenssätze und Überzeugungen, bei denen du dich vielleicht selbst belügst. Und wenn du dann noch tiefer einsteigen willst, empfehlen wir dir unseren Reiseführer „Blind Spots“. Hier helfen wir dir, alle deine Selbsttäuschungen und falschen Überzeugungen über dich aufzuspüren, zu verstehen und langfristig aus dem Weg zu räumen.

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