Selbstzweifel und Selbstkritik werden von uns oft als etwas Negatives erlebt: Wir wollen die Zweifel loswerden; und wir leiden unter der eigenen Selbstkritik. Wir gehen lethargisch unserer Pflicht nach und sitzen abends grübelnd auf der Couch und fragen uns: „Wer bin ich? Was will ich? Was ist meine Aufgabe?“

Selbstzweifel überfallen uns oft wie ein „ungebetener Hausgast“. Diese Metapher stammt vom Psychologen und Psychotherapeuten Ortwin Meiss. Die Formulierung trifft sehr gut, wie viele Menschen sich mit Selbstzweifeln fühlen: Wir werden von Zweifeln heimgesucht – wir haben sie nicht eingeladen. Wir wollen eigentlich gar nicht, dass sie bleiben und wünschen uns, dass sie bald wieder weggehen.

selbstzweifel selbstkritik

Hinter dem „ungebetenen Hausgast“ steckt auch eine sehr hilfreiche Technik, um sich genau aus dieser Lage zu befreien. Ziel ist dabei, zu verstehen, welche Botschaft uns Selbstzweifel und Selbstkritik eigentlich übermitteln wollen. Verstehen wir diese Botschaft, so können wir sie produktiv für die eigene persönliche Entwicklung zu nutzen. Und da die Zweifel erhört wurden, haben sie ihre Aufgabe erfüllt – und gehen daher oft von selbst wieder weg.

Selbstzweifel sollen schnellstmöglich weggehen

Wer sich von Selbstzweifeln oder Selbstkritik heimgesucht fühlt, interpretiert diese oft als etwas Negatives. Das ist nachvollziehbar, denn nicht selten zweifeln wir an uns und unserem Leben insgesamt – und stellen unser ganzes Wesen infrage. Deshalb können wir sie auch nicht gut beiseite schieben und verdrängen – es sind eben keine Nebensächlichkeiten. Weil uns das massiv an der Bewältigung unseres Alltags hindert, wollen wir sie schnellstmöglich loswerden.

Wie kann man Selbstzweifel loswerden?

Ohne Frage: Selbstzweifel und allzu scharfe Selbstkritik sind unangenehm und man hat das Gefühl, dass sie nie zur rechten Zeit kommen. Doch wenn wir sie einfach verdrängen oder uns ablenken, dann helfen wir uns damit nicht weiter. Die Zweifel kommen zurück. Je mehr ich mich dagegen auflehne, desto stärker werden sie. Und am Ende tun wir sogar unserer eigenen Person Gewalt an, weil wir einen Teil von uns nicht akzeptieren wollen, der – ob wir wollen oder nicht – genauso zu uns gehört wie all die schönen Gedanken und Gefühle, die wir jederzeit willkommen heißen.

Auch wenn das jetzt hart klingt: Selbstzweifel kommen nicht von ungefähr. Sie haben einen Grund. Wäre es da nicht viel naheliegender, mal genauer hinzuschauen und zu untersuchen, warum diese Selbstzweifel eigentlich immer wiederkommen? Denn man könnte Selbstzweifel oder Selbstkritik auch als ein Signal interpretieren, als Botschaft aus den Tiefen meiner Psyche, die gehört werden will. Und wenn ich die Botschaft nicht hören will, dann wir sie umso lauter zurückkommen.

So betrachtet wären Selbstzweifel eine wunderbare Gelegenheit, mehr über sich selbst zu erfahren und so langfristig ehrlicher zu sich selbst zu werden. Ginge man die Sache so an, hieße selbstkritisch sein einfach nur, die Signale bewusst zu hören, zu akzeptieren und zu verstehen. Das ist aber ganz und gar nicht trivial, denn die meisten von uns pflegen sehr viele Abwehrmechanismen und Strategien zur Selbsttäuschung, durch die wir ungeliebte Anteile unserer Persönlichkeit verdrängen, die nicht zu unserem (meist geschönten) Selbstbild passen.

Selbstzweifel überwinden: Die Spirale der Grübelei

Wenn wir den richtigen Weg finden wollen, Selbstzweifel oder Selbstkritik zu überwinden, können wir uns also nicht darauf verlassen, dass wir die Botschaft, die sie vielleicht für uns enthalten mögen, ohne Weiteres verstehen werden.

Nehmen wir mal als Beispiel an, dass du Zweifel darüber hegst, ob du den richtigen Beruf gewählt hast. Wenn du jetzt einfach nur diese Erkenntnis analysierst, wirst du nicht weit kommen – oder? Was soll dir das sagen, dass du an deiner Berufswahl zweifelst? Hättest du einen anderen Beruf ergreifen sollen? Bist du nicht gut genug in diesem Beruf und müsstest einfach nur besser werden? Oder hätte dir etwas anderes mehr Spaß gemacht? Ist der Zweifel vielleicht Ausdruck einer Bestimmung, die eigentlich auf dich wartet, der du aber nur versäumt hast, nachzugehen?

selbstzweifel überwinden

Allein die Einsicht, dass wir Selbstzweifel über einen bestimmten Aspekt unseres Lebens hegen, bringt uns nicht weiter. Viel schlimmer noch: Man dreht sich im Kreis, oder mehr noch, in einer Spirale, die nur eine Richtung kennt: Abwärts in die Abgründe der ewigen Grübelei darüber, ob wir diese oder jene Entscheidung richtig getroffen haben, ob wir etwas falsch gemacht haben. Auf diesem Weg werden wir aus unserer Selbstkritik nicht viel Positives ziehen können.

Den Selbstzweifel nutzen: Der „ungebetene Hausgast“

Jedoch gibt es in der Psychologie und Psychotherapie Techniken, um solche Botschaften, die in der Regel aus unserem unbewussten Persönlichkeitsteil stammen, besser zu interpretieren und zu entschlüsseln. Eine solche Technik beschreibt Ortwin Meiss in seinem Buch „Hypnosystemische Therapie bei Depression und Burnout“: der „ungebetene Hausgast“.

Der Kern dieser Technik ist, negative Emotionen oder Konflikte im eigenen Innern dadurch besser zu verstehen, dass man personifiziert, also aus einem Gefühl oder einem Gedanken eine (vorgestellte) Person macht. Denn Personen können sprechen, sie kommunizieren mit uns, sie haben Absichten, Bedürfnisse und Ziele. Und sie haben gute, nachvollziehbare Gründe für ihr Verhalten.

Wenn wir den Selbstzweifel als Botschafter verstehen, so würde er uns wohl mitteilen können, warum er eigentlich da ist, weshalb er immer wiederkommt, wieso er so penetrant ist – und was er damit für eine Absicht verfolgt. Stell dir mal vor, du hättest einen echten ungebetenen Hausgast, z.B. einen nervigen Verwandten, der dich jeden Tag besuchen kommt. Wenn du ihn einfach nur loswerden willst, wird er wohl morgen wiederkommen. Aber wenn du verstehst, warum er eigentlich da ist, hast du andere Lösungsmöglichkeiten.

selbstzweifel

Stell dir nur mal vor, er kommt jeden Tag, weil er sich einsam fühlt. Dann wirst du das Grundproblem nicht dadurch lösen, dass du ihn immer wieder wegschickst. Aber du kannst eine andere Lösung für sein Problem finden – z.B. einen zweiten Menschen, der sich genauso fühlt und viel Zeit hat. Dann wird dein Verwandter vielleicht nicht mehr so oft kommen, weil er gefunden hat, wonach er gesucht hat. Das war aber nur möglich, weil du die Botschaft hinter seiner Anwesenheit gehört hast.

Er wirft seine Tasche in die Ecke und geht erstmal an den Kühlschrank

Mit dem „ungebetenen Hausgast“ können wir uns die Tatsache zu Nutze machen, dass Selbstzweifel so besonders raumeinnehmend sind und unser ganzes Denken und Fühlen in Anspruch nehmen. Dieser Zusammenhang kann nämlich durch jene Technik sehr gut visualisiert werden. Versuche also, dir deine Selbstzweifel oder deine Selbstkritik als ungebetenen Hausgast in deinem seelischen Innenleben vorzustellen. Was du dabei genau siehst bzw. dir vorstellst, bleibt dir überlassen, am besten du lässt dich einfach überraschen. Jede Vorstellung, die dir in den Sinn kommt, ist gut! In dieser Übung gibt es kein richtig und falsch, kein realistisch und unrealistisch – sondern es gilt die Floskel: „Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“ Der Selbstzweifel kann eine reale Person sein, oder ein Fabelwesen, oder ein Tier, oder du selbst im Kindesalter. Lass dich überraschen.

Ein Beispiel, wie so etwas ablaufen könnte: Du stellst dir deinen Selbstzweifel vor und personifizierst ihn. Dann nimmt die Geschichte in deiner Vorstellungswelt ihren Lauf: der ungebetene Hausgast kommt rein, ohne zu fragen oder zu klingeln, wirft seine Tasche in die Ecke, geht an den Kühlschrank und isst sich erstmal satt. Dann setzt er sich auf dein Sofa und beschwert sich darüber, wie unordentlich es bei dir ist und dass du mal putzen könntest. Er merkt an, dass du ja ohnehin gar keinen Nutzen für dein großes Haus hast, weil du sowieso nie da bist, da könne er sich ja auch ruhig etwas breit machen.

Wenn du eine solche oder eine ähnliche Vorstellung über deinen Selbstzweifel als „ungebetenen Hausgast“ gewonnen hast, wollen wir einen Schritt weiter gehen. Wir fragen uns: Wie kann es eigentlich sein, dass sich der ungebetene Selbstzweifel so breit machen kann? Was motiviert ihn, dich zu stören oder sogar zu ärgern? Hierbei es wichtig, dass du dir diesen Selbstzweifel tatsächlich als handelnde Person vorstellst, als jemand, der etwas aus bestimmten Gründen tut.

ungebetener hausgast

Bleiben wir bei unserem Beispiel: Wie kann es sein, dass sich der Selbstzweifel so breit macht? Nun ja, wie es scheint ist mein Haus ein recht guter Ort für ungebetene Gäste. Die Tür ist nicht verschlossen, es gibt keine Klingel. Es gibt nicht viel, was diesem ungebetenen Gast des Selbstzweifels im Weg steht. Und es gibt niemanden, der diesem ungebetenen Gast mit guten Gründen klar macht, dass für ihn hier kein Platz ist.

Was heißt das nun für den Selbstzweifel? Das ist ja nur ein Bild, eine Metapher. Aber auf diesem Weg kann man erkennen, warum sich der Selbstzweifel so breit macht: Zum Beispiel, weil man keine Pläne oder Ideale hat, die man verfolgt und die dem eigenen Leben Sinn geben. Oder aber, weil man sich allein fühlt. Oder weil der Beruf, den man 40 Stunden die Wochen ausübt, einen zwar zeitlich fordert, aber nicht geistig. Daher herrscht in der eigenen Seele eine gewisse Leere – ein idealer Platz für den ungebetenen Hausgast. Dort kann er sich ausbreiten, weil er der einzige Besucher ist.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, warum der Selbstzweifel sich derart breit machen kann. Warum er das bei dir selbst so kann, das kannst du nur selbst herausfinden. Du kannst die Übung des „ungebetenen Hausgastes“ für dich selbst durchführen, zum Beispiel unter Selbsthypnose, und genau beobachten, wie sein dein „ungebetener Hausgast“ verhält und welche Motive und Gründe er für sein Verhalten hat.

Es ist wichtig zu wissen, dass ein Selbstzweifel von Mensch zu Mensch andere Gründe für sein Kommen hat. Selbstzweifel kommen nicht immer durch einen fehlenden Sinn zustande. Vorstellbar wäre auch, dass er auf einen wichtigen Fehler hinweist, den man korrigieren muss – vorher wird er keine Ruhe geben. Oder er will einen davor beschützen, große Pläne zu schmieden, etwas zu wagen, sein eigenes Ding zu machen. Der Selbstzweifel verhindert dann, dass man aktiv wird – und wer es nicht versucht, kann gar nicht erst scheitern. Das ist ein guter Schutz.

Wichtig ist, dass hinter dem unangenehmen und unliebsamen Besucher oft eine nachvollziehbare Absicht steht, die nur das beste für uns will. Uns zu beschützen ist ein äußerst nachvollziehbarer und ehrenwerter Grund, sich aufzudrängen. Damit verändert sich aber auch die Dynamik: Der ungebetene Hausgast wird vom Feind zu Freund – nicht, dass er ein besonders angenehmer Freund wäre, denn er macht es uns wirklich nicht einfach; aber er hat nur das Beste im Sinn, und einfach keinen anderen Weg, das auszudrücken. Weil er aber auf unserer Seite steht, muss er auch nicht mehr zwingend verschwinden, sondern könnte uns sogar helfen.

Selbstzweifel sind eine Chance zur persönlichen Entwicklung

So unangenehm Selbstzweifel und Selbstkritik auch sein mögen: Man kann sie als eine willkommene Chance zur persönlichen Entwicklung sehen. Wenn wir herausfinden, woher unsere Selbstzweifel kommen und warum sie sich derart bei uns „einnisten“ können, dann werden wir auch ein Licht am Ende des Tunnels erkennen und aus dieser Krise des Zweifelns gestärkt und mit neuen Erkenntnissen über uns selbst hervorgehen.

Der Selbstzweifel ist etwas Gutes – wenn man ihn zu nutzen weiß.

Ein sehr häufiger Grund, warum wir uns in Selbstzweifeln verlieren, können Sinn- oder Lebenskrisen sein. Diese Krisen manifestieren sich als Selbstzweifel, um dem mangelnden Sinn, dem fehlenden Zusammenhang im eigenen Leben auf eine leider nicht besonders hilfreiche Art und Weise Ausdruck zu verleihen. Oft sind Selbstzweifel ein Hinweis auf die Sinnlosigkeit der eigenen Existenz. Wir wissen nicht, was das alles für einen Sinn hat, was wir mit diesem Leben anstellen sollen und wie wir unsere Lebenszeit verbringen möchten.

Was auch immer der Grund für die Anwesenheit von Selbstzweifeln ist, so bringt er seine Lösung stets schon mit: Seine Botschaft beinhaltet einen wichtigen Hinweis darauf, warum wir aktuell nicht weiterkommen, warum unser Wachstum stagniert, warum wir keine Fortschritte machen. Der Selbstzweifel ist also ein großer Helfer – wenn man seine Botschaft hört und sie in die Tat umsetzt.

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